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Vereinfache. Fokussiere. Vermeide Umwege. Kombiniere Charaktere. Pixars Regel Nr. 5

Veröffentlicht: 27.09.2015
Anzahl Wörter: 1062
Lesedauer: 4 min
Inhaltsübersicht
  1. Vereinfache
  2. Dialoge vereinfachen
    1. Figure it out
    2. Cut it out
    3. Read it out
    4. Turn it out
  3. Fokussiere
  4. Vermeide Umwege
  5. Kombiniere Charaktere
  6. Links

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Sind Sie auch gerade dabei, Ihr Buch zu massakrieren und Ihre Leser zu vergraulen?

Ich muss beichten. Manchmal lese ich in einem Buch nur alle drei oder vier Seiten ein paar Sätze. Das ganze Buch lang. Nach einer halben Stunde bin ich mit dem dicken Schinken fertig und habe nichts verpasst.

Kennen Sie das auch? Natürlich nicht aus Ihren eigenen Büchern, das wollte ich Ihnen gar nicht unterstellen. Aber Sie haben das eine oder andere solche Buch schon in den Händen gehabt, geben Sie es zu.

Was hat der Autor falsch gemacht? Er hat die Regel Nummer 5 der Pixars Regeln für Storytelling (s. Links) nicht beherzigt.

Wie lautet die Regel?

Vereinfachen. Fokussieren. Umwege vermeiden. Charaktere kombinieren.

Vereinfache

Pixar’s Nr 5: Vereinfachen

Was kann ein ambitionierter Autor tun, um das leere-Seiten-Syndrom zu vermeiden (gemeint sind hier die inhaltlich leeren Seiten)? Er sollte sich und dem Leser die Aufgabe vereinfachen und jede einzelne Szene auf einen einzigen Satz reduzieren.

Was ist der Zweck dieser Szene?

Erst wenn der Autor diese Frage beantwortet hat, weiß er, was in die Szene gehört und was nicht.

Eigentlich ganz einfach?

Vergessen sind die seitenweisen Beschreibungen des Wetters, der Umgebung, der Kleidung, der Musik und der Frisur. Denn sobald Sie als Autor wissen, was der Zweck Ihrer Szene ist, wissen Sie, ob das Wetter darin tatsächlich eine so gravierende Rolle spielt, dass es unbedingt hineingehört.

Komprimieren Sie Ihre Szenen:

  1. Finden Sie heraus, was der Kern der Szene ist.
  2. Schreiben Sie den Rohentwurf.
  3. Schneiden Sie alles heraus, was nicht zum Ziel führt.
  4. Fügen Sie gezielte Informationshäppchen hinzu.

Ich gebe zu, ich stelle mir diese Frage noch bevor ich die Szene überhaupt geschrieben habe. Um ehrlich zu sein, sogar bevor ich überhaupt eine Szene geschrieben habe, noch während des Planung des gesamten Buches (s. Links, Iteratives Outlining). Sonst irre ich herum, ganz nach dem Motto „Umwege erhöhen die Ortskenntnis” … leider führen sie nicht zum Ziel.

Dialoge vereinfachen

Was für die Szenen im Allgemeinen gilt, gilt auch für Dialoge als deren Sonderform. Tom Chiarella gibt in seinem Buch Writing Dialogue ebenfalls den Rat, Dialoge zu komprimieren. Schreiben Sie Ihre Dialoge so um, dass jede Phrase aus maximal vier bis fünf Wörtern besteht. Dadurch vereinfachen Sie sie und vermeiden es, langweilige Dialoge zu schreiben. (Manche sind noch radikaler und verlangen, jede Phrase auf ein einziges Wort zu reduzieren.)

Writing Dialogue (Tom Chiarella): Figure it out. Cut it out. Read it out. Turn it out.

Doch wie geht man genau vor, wenn man einen Dialog vereinfachen will? Tom Chiarella empfiehlt:

Figure it out

Sie als Autor müssen wissen, was Ihr Charakter gerade (sagen) will. Oder braucht. Und dann lassen Sie den Charakter es nicht sagen. Richtig gelesen. Dadurch entsteht die Spannung. Vertrauen Sie den Fähigkeiten Ihres Lesers, er wird die Ziele des Charakters schon selbst erkennen.

Cut it out

Jetzt, wo Sie wissen, was Ihre Charaktere wollen / brauchen, schreiben Sie den Rohentwurf des Dialogs. Lassen Sie die Charaktere so geschwätzig sein, wie sie wollen. Sie schneiden hinterher eh alles heraus. Sie schneiden alles heraus, was nicht zielführend ist.

Read it out

Sobald Sie Ihren Dialog entrümpelt haben, lesen Sie ihn laut vor. Achten Sie auf den Rhythmus!

Turn it out

Schließlich, wenn Ihr Dialog Musik in Ihren Ohren ist, lockern Sie die Zügeln ein wenig. Lassen Sie den Charakteren Raum, um etwas klar zu stellen.

Fokussiere

Pixar’s Nr 5: Fokussieren

Wenn wir fokussieren, sehen wir nur einen kleinen Ausschnitt der Wirklichkeit. Wenn Sie Ihre Szene vereinfacht haben, haben Sie auch den Kern der Szene bestimmt. Wenn Sie aber den Kern der Szene bestimmt haben, haben Sie Ihren Fokus für diese Szene fest gelegt.

Auf unsere Szene übertragen interessiert uns nur das für die Geschichte Relevante, alles andere lassen wir aus. Uns interessiert es nicht, wie der Protagonist zu diesem Treffen gekommen ist. Es sei denn, er hat sich dabei mit einer tödlichen Krankheit infiziert, die es ihm beinahe unmöglich macht, die Welt zu retten. Alternativ lasse ich noch den Fall gelten, wo die Protagonistin unterwegs den Mann ihrer Träume traf, es jedoch nicht realisierte, und nun eine Geschichte lang Zeit hat, ihren Traummann zu finden.

Uns interessiert es auch nicht, wer das Essen zubereitet hat, das unser Protagonist gerade verspeist. Es sei denn, die Köchin ist eine willige Gespielin unseres Antagonisten, die auf dessen Geheiß unseren Protagonisten mit einem langsam wirkenden Gift vergiftet hat, was, wie Sie bereits wissen, diesem beinahe unmöglich macht, die Welt zu retten. Alternativ lasse ich noch den Fall gelten, wo unsere Protagonistin sich als Aushilfsköchin bei dem Mann ihrer Träume verdingt, ihn mit einem Liebeszauber im Essen betören will, wobei die Wirkung auf ihre ärgste Rivalin übertragen wird, weshalb nun die Protagonistin eine Geschichte lang Zeit hat, Sie wissen schon was …

Im Grunde genommen müssen Sie beim Fokussieren nicht viel mehr machen, als alles zu vereinfachen.

Mit einer Ausnahme: Sie beachten dabei nicht nur das Ziel der Szene sondern auch das der Geschichte. Sonst wird es nichts mit Hinweisen und Payoffs.

Vermeide Umwege

Pixar’s Nr. 5: Umwege Vermeiden

Kommen Sie auf den Punkt. Streichen Sie, was nicht notwendig ist. Benutzen Sie treffende Beschreibungen anstatt langer Umschreibungen.

Wenn Sie bisher Ihre Szene vereinfacht und fokussiert haben, haben Sie bereits einiges herausgestrichen. Was sollen Sie denn noch streichen, fragen Sie sich?

Hier eine kleine Liste, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

  • Vor- und Nachspanne (spät rein, früh raus)
  • Füllwörter (alles, was Ihnen eigentlich gefällt, aber uneigentlich gar nicht notwendig ist ;) )
  • überflüssige Adjektive und Adverbien

Kombiniere Charaktere

Pixar’s Nr. 5: Charaktere kombinieren

Ich habe mal gelesen, dass jeder neue Protagonist den Umfang eines Buches verdoppelt. Schließlich braucht er (mindestens) eine eigene Nebenhandlung. Er muss mit den anderen Protagonisten interagieren. Er muss eingeführt werden und nicht zu knapp, schließlich muss der Leser Empathie zu ihm aufbauen können.

Auch wenn ein Nebencharakter den Umfang eines Buches nicht so dramatisch vergrößert, er braucht eine Einführung. Er muss interagieren. Er hat häufig (mindestens) eine eigene Nebenhandlung.

Also, ein wohl gemeinter Rat: Fassen Sie mehrere (Neben-)Charaktere zu einem zusammen. Wenn Sie drei Charaktere haben, die jeweils nur je eine oder zwei Informationen liefern (wenn sie keine liefern und auch keine Konflikte vergrößern, was tun sie dann in Ihrer Geschichte überhaupt?), warum machen Sie nicht einen einzigen daraus und lassen ihn gleich alle drei bis sechs Informationshäppchen servieren?

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