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Wie Sie in 30 Minuten ein Outline für Ihren Roman schreiben, Teil 2

Veröffentlicht: 08.09.2015
Anzahl Wörter: 1251
Lesedauer: 5 min
Inhaltsübersicht
  1. Bevor wir anfangen …
  2. 2. Iteration: Zwischen dem Anfang und dem Ende liegt die Mitte
  3. 3. Iteration: Zwei Mal halbiert ist auch geviertelt
  4. Ausblick

Bevor wir anfangen …

Alle sieben Teile dieser Serie auf einen Blick:

Willkommen zurück zu meiner Reihe über das iterative Entwickeln eines Plots. In kürzester Zeit und ohne theoretischen Überbaus halten Sie ein komplettes Outline für eine Kurzgeschichte oder einen einfachen Roman in der Hand. In der Tat habe ich das Beispiel zu dieser Artikelserie in unter 30 Minuten entwickelt, wobei ich Angangs nicht einmal eine Idee für eine Geschichte hatte.

Ein weiterer Vorteil dieser Methode ist es, dass Sie damit sowohl einen Roman als auch eine Kurzgeschichte, eine Szene oder auch eine ganze Serie entwickeln können. Aber dazu später. Hier und heute geht es weiter mit dem Beispiel für eine Kurzgeschichte oder einen Roman.

Im ersten Teil begannen wir mit der War-Wäre-Wenn-Frage (WWW-Frage). Daraus leiteten wir den Anfangszustand unserer Geschichte ab. Die Spiegelung des Anfangszustandes ergab deren Endzustand. Womit wir bereits die beiden Ecksteine (0% und 100%) unserer Geschichte festgelegt haben.

Lassen Sie uns nun die nächste Iteration durchführen.

2. Iteration: Zwischen dem Anfang und dem Ende liegt die Mitte

Ihr Buch ist für Ihre Leser wie eine Reise. Er ist der Tourist, Sie der Reiseleiter. Er will jede einzelne Sehenswürdigkeit auskosten. Und Sie haben die Pflicht, Ihm jede einzelne davon zu liefern.

Am Mittelpunkt einer Reise wird einem plötzlich bewusst, dass der Urlaub schon zur Hälfte um ist. War die bisherige Reise angenehm, freut man auf den Rest der Reise. War die erste Hälfte jedoch der sprichwörtliche Griff ins … nun, dann Gnade dem Reiseleiter Gott!

Genauso wenig Verständnis wie ein Reiseleiter von seinen Touristen nach der verpatzten Halbzeit erwarten kann, können Sie als Autor auf die Milde Ihrer Leser hoffen. Ihre Leser können zwar ihren Unmut nicht direkt an Ihnen auslassen, doch ihre Rache ist weitaus schlimmer: Sie hinterlassen unwillige Rezensionen auf Amazon, Lovelybooks & Co.

Achten Sie also darauf, dass spätestens bis zur Mitte Ihrer Geschichte etwas geschieht, was das Interesse Ihrer Leser weckt.

Doch genau dort, in der Mitte, liegt die Problemzone vieler Autoren. Man hat sich am Anfang verausgabt. Man hat sich für das Ende ein bombastisches Feuerwerk an Action ausgedacht. Doch in der Mitte ging einem die Puste aus.

Dabei ist es doch so einfach: Erfahrungsgemäß liegt zwischen dem Anfang und dem Ende die Mitte. Also bekommen wir unsere Mitte, wenn wir die Frage beantworten können:

Durch welches Ereignis wird der Anfang der Geschichte in deren Ende umgewandelt?

Eine einfache Frage. Und doch beinhaltet sie drei Kernelemente, auf die es ankommt:

  1. Der Anfang
  2. Die Wandlung (in der Mitte)
  3. Das Ende

Beachten Sie insbesondere, dass das Ereignis in der Mitte immer eine Wandlung, eine Veränderung, einen Umbruch nach sich zieht. Was wäre das für eine Geschichte, wenn am Ende alles beim Alten geblieben wäre?

Was muss passieren, damit Ihr(e) [Protagonist | Gesellschaft | Gegenstand Ihrer Geschichte] sich von dem Anfangszustand hin zum Endzustand verändert?

Und da jede Theorie trocken ist, und man ein trockenes Stück Brot mit einem Schluck Wein viel leichter herunter schlucken kann, wenden wir die zweite Iteration nun auf unser Beispiel an:

Was muss passiert sein, damit unsere passive Protagonistin ihre böse Stiefmutter verlässt und mit ihrem Prinzen glücklich bis ans Ende ihrer Tage leben kann?

Was könnte es sein? Hier ist jetzt mehr oder weniger Fantasie gefragt. Ich bin ein wenig faul und nehme die erste Idee, die mir einfällt. Die ersten Ideen sind häufig ein Clichee, doch für unser Beispiel reicht das auch. Wenn Sie in Ihrem Entwurf ein wenig origineller sein wollen, dann verwerfen Sie die ersten drei bis fünf Ideen. Alles, was danach kommt, könnte originell genug sein, um in engere Wahl zu kommen.

Ich habe keine Angst vor Clichees und greife gleich die erste Idee auf (entspricht 50% der Geschichte):

Die Protagonistin beschließt, ihre böse Stiefmutter zu verlassen und sich selbst darum zu kümmern, wer für sie sorgen darf(muss).

Warum ich ausgerechnet diese Idee nahm? Weil sie eine Wandlung beinhaltet: Die Protagonistin legt ihre Passivität ab und wird aktiv (wie fragwürdig ihre Entscheidung auch sein mag).

3. Iteration: Zwei Mal halbiert ist auch geviertelt

Warum beschließt nun unsere arme Protagonistin, ihr (nicht wirklich trautes) Heim zu verlassen und aktiv zu werden? Immerhin hat sie mindestens 15 Jahre mehr oder weniger gut mit ihrer Passivität gelebt. Wir Menschen neigen dazu, unser Verhalten erst unter massiven Druck zu ändern.

Welchem Druck sah sich die Protagonistin in der ersten Hälfte unserer Geschichte ausgesetzt, dass sie dazu veranlasste, ihren Anfangszustand zu verlassen, um an ihren vorläufigen Endzustand (Mitte der Geschichte) anzukommen?

Wieder lassen wir unserer Fantasie freien Lauf. Wieder verwerfen wir die ersten drei bis fünf Ideen. Oder auch nicht, wenn wir gerade genauso faul sind wie ich. Mit all den Casting-Shows, mit denen wir bereits seit Jahren bombardiert werden, sehe ich unsere Protagonistin auf einer Marry Me! Braut-Casting-Show um die Gunst irgendeinen Mannes buhlen. In der Gesellschaft, wo unsere Protagonistin zuhause ist, ist das ihre einzige legale Option, der Sklaverei zu entgehen.

Die Antwort auf die Frage „Welches Ereignis führte dazu, dass unsere passive Protagonistin ihre Stiefmutter verlässt?“ lautet also:

Die Stiefmutter macht alle Heiratspläne der Protagonistin zunichte, womit diese für immer ihre Sklavin bleibt.

Ist Ihnen aufgefallen, wie wir neben einem weiteren Eckstein unserer Geschichte auch etwas über die Welt erfahren haben, in der sich unser Geschichte abspielt? Notieren Sie sich diese Gedanken für später. Das ist Ihr erster Schritt zum Worldbuilding.

Als nächstes fragen wir uns: „Welches Ereignis führte dazu, dass unsere Protagonistin, die gerade erst ihre Stiefmutter verließ, glücklich mit ihrem Prinzen bis an ihr Lebensende leben konnte?“

Ich denke, die Protagonistin wird feststellen, dass sie doch nicht ohne Liebe leben will.

Die Protagonistin erkennt, dass sie ihren Prinzen nur noch aus Liebe heiraten will. Aber ein Prinz muss es sein.

Beachten Sie, dass die Antwort auf unsere Frage jedes Mal eine Wandlung beinhaltet:

  • In der Mitte der ersten Hälfte verliert die Protagonistin ihre letzte Hoffnung auf ein besseres Leben durch eine Heirat, weshalb sie nun ihre Strategie ändern muss.
  • In der Mitte der Geschichte wandelt sich unsere passive Protagonistin und wird aktiv.
  • In der Mitte der zweiten Hälfte wandelt sich die Einstellung unserer Protagonistin zur Ehe und zur Liebe.

Das führt uns zu folgender vorläufigen Struktur der Geschichte:

(0%) Die Protagonistin hat sich in ihr bisheriges Leben gefügt, das von ihrer bösen Stiefmutter bestimmt wird, die sie wie eine Sklavin hält.
(25%) Die Stiefmutter macht alle Heiratspläne der Protagonistin zunichte, womit diese für immer ihre Sklavin bleibt.
(50%) Die Protagonistin verlässt ihre Stiefmutter, um jemanden zu finden, der ihr ein besseres Leben bieten kann.
(75%) Die Protagonistin erkennt, dass sie ihren Prinzen nur noch aus Liebe heiraten will. Aber ein Prinz muss es sein.
(100%) Die Protagonistin lebt mit ihrem Prinzen in Liebe und Harmonie und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Ausblick

Bleiben Sie dran, wenn Sie:

  • Mehr über die letzte Iteration erfahren wollen
  • Sich schon immer fragten, warum Sie mit dieser Methode keine Gedanken an das Thema, Plot Points und Ähnliches verschwenden sollten
  • Mehr den Unterschied zwischen den Wünschen und Bedürfnissen erfahren wollen (und warum er für Ihre Geschichte wichtig ist)
  • Ein fertiges Outline zu unserer Geschichte sehen wollen
  • Sehen wollen, wie leicht Sie das fertige Outline abwandeln können

Sollten Sie den Anfang dieser Artikel-Serie verpasst haben, finden Sie ihn über die Suchfunktion, im Archiv, im Blog-Verlauf oder ganz einfach hier.

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