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Ein Plädoyer für ein Hundetagebuch: Warum auch Sie ein Hundetagebuch führen sollten, von Mira Alexander, http://www.miraalexander.de. Auf der Illustration ist eine Handzeichnung von einem sitzenden Irish Setter abgebildet.

Ein Plädoyer für ein Hundetagebuch

Veröffentlicht: 26.02.2017
Anzahl Wörter: 447
Lesedauer: 2 min
Inhaltsübersicht
  1. 12. Mai irgendwann in 2000-er

Haben Sie einen Hund? Dann sollten Sie ein Tagebuch führen. Nein, wirklich, tun Sie es.

Neulich habe ich meine Bücherregale aufgeräumt (war mal wieder Zeit) und dabei fiel mir ein unscheinbares schwarzes Notizbuch in die Hände, ein Werbegeschenk eines Kaffeeherstellers, der sich dumm und dämlich daran verdient, seinen Kaffee in winzigen Portiönchen in kleinen Aluhütchen zu verkaufen.

Ich schlug es auf (das kleine Notizbuch), blätterte es kurz durch und erwischte mich eine Stunde oder so später, wie ich bis über beide Ohren grinste. Leider habe ich das Tagebuch nur ganz kurz geführt (keine fünf Monate), was mir jetzt sehr Leid tut, doch es lässt sich nicht mehr ändern.

Das hier ist der letzte Eintrag aus dem Tagebuch, der nicht nur mich zum Lachen brachte:

12. Mai irgendwann in 2000-er

Es ist erstaunlich, wie manipulativ er gucken kann, wenn er versucht, mich vom Sofa zu vertreiben!

Er pirscht sich heran, legt sein Kinn ganz sachte auf das Sofa neben mir, guckt geradeaus, dann sofort zu mir, ohne den Kopf zu bewegen, nur seine Augenbraue geht in die Höhe, wieder geradeaus, wieder zu mir, wieder geradeaus …

Und man würde gar nicht glauben können, wie schnell er einen „Sitz“ ausführt, wenn man ein Leckerli in den Händen hält!

Da ist plötzlich kein Raum mehr für das laaaaangsame sich-Strecken, für das verächtliche Kopfabwenden, für das genaue Abwägen, ob der Sitz gerade mehr einbringt als die Taube um die Ecke …

Nein, da wird sofort hingeplumpst in die Erwartungs-Sitz-Haltung. Im Gegensatz zu dem normalen Sitz ist für diese Art von Sitz eine nach hinten gekippte Sitz-Position mit in die Höhe gestreckten Schnauze charakteristisch. Natürlich nur, wenn sich die Quelle aller Freuden (vulgo Leckerli in Frauchens Hand) oberhalb seines Kopfes befindet.

Der Eintrag war kurz und doch hatte ich die ganze Szene sofort wieder vor meinen Augen. Besser als jedes Fotoalbum, denn sie war nicht statisch. Nein, es war wie ein Video-Clip. Besser noch, wie Virtual Reality, in der ich mich gerade befand.

Also, haben Sie nun einen Hund oder nicht? Wenn ja, tun Sie sich selbst einen Gefallen – führen Sie sein Tagebuch.

Ihre Mira Alexander

P.S.: Ob er immer noch so manipulativ ist? Da können Sie Gift darauf nehmen. Auch wenn er es beim Sofa nicht mehr versucht, da er weiß, dass ich nicht weichen werde. Er rollt sich einfach neben mir zusammen, ein riesiges rotes Ei an meiner Seite, und wärmt dabei nicht nur mein Herz sondern auch meine Hüfte. Und wenn er Mal ganz anhänglich ist, dann legt er seinen großen Kopf auf meinen Bauch und lässt sich seine langen seidenen Ohren streicheln, untermalt von leisen Schnarchgeräuschen. Man muss es einfach zugeben, ein Hundeleben ist kein Zuckerschlecken.

Sie haben eine Anmerkung oder eine Anregung zu diesem Artikel? Ich freue mich über Ihren .